Muttis Kopfkram, halt. |
Geschreibsel. An einander gereihte Gedankenfetzen. Unaufgeräumt, unsortiert, unikat. Oder sowas. |
Guten Tag. Ich bin ihre Gastgeberin und sie kennen mich vielleicht aus Filmen wie „Aufs Maul du Idiot?“ oder „Nimm deine Pfoten weg, bevor ich sie abhacke, Wichsgesicht.“
Was? Wie wo? Harte Worte aus einem Frauenmund? Ja, tut mir leid. So musste ich bisweilen reagieren, da das Wort „Nein“ anscheinend in manchem Gehirn nicht als ebensolches wahrgenommen wird. Da muss man sich leider als Frau schon mal deutlicher ausdrücken. Das klappt zumindest. Dies wird leider kein „Gnihihi“-Eintrag. Ich mische mich mal ein. Und das kann unbequem werden. Für beide Seiten.
Frauen und Männer sind interessante Tiere. So gleich, so verschieden. Insbesondere wenn die jeweilige Spezies heranwächst machen sich die ersten Unterschiede deutlich bemerkbar. Männer werden in der heutigen Zeit dazu angehalten entweder viel zu verdienen, erfolgreich zu sein oder wenigstens gut auszusehen. Frauen hingegen werden dazu angehalten gut auszusehen, gut auszusehen oder wenigstens gut auszusehen. Deswegen ist es dann nicht verwunderlich, wenn sie ab dem 14. Lebensjahr nichts anderes machen als in ihrer Freizeit vor dem Spiegel zu stehen und sich – bzw. den Körper als Ebenbild des einzigen Potentials- von oben bis unten, vorne bis hinten anzuschauen und zu bearbeiten, straffen, dehnen, drücken, schminken, zupfen, rasieren, kaschieren und so weiter. Der Gedanke daran treibt mir die Galle hoch, aber bei mir ist es nicht anders. Es ist als wäre es gesellschaftlich ins Hirn gepflanzt: „Willst du dich gut fühlen, dann sieh gefälligst gut aus. Sonst bist du wertlos. Keine Sau interessiert deinen akademischen Abschluss, solange du in einem Kleid aussiehst wie ne Leberwust vorm Platzen.“ Klingt hart. Trifft aber erschreckend oft zu. Auch wenn ich gern esse und auch gerne viel esse und eine kleine Fressi-Wampe habe, die ich nicht schlimm finde, gibt es diese Momente. Machste nix.
Ich schreibe dies, weil ich bei Twitter unter dem Hashtag #aufschrei erfuhr, dass Sexismus im Alltag so häufig passiert aber niemand etwas dagegen unternimmt oder unternehmen kann? Angefacht wurde diese Diskussion von dem so genannten „Fall-Brüderle“: Eine Stern-Journalistin soll 2012 von dem just jetzt zum Kanzlerkandidaten nominierten FDP-Fraktionschef an einer Hotelbar unangemessen angemacht worden sein.
Erster Gedanke: Aha. Nun ja. Puh.
Zweiter Gedanke: Alter, Mädchen, dann tu halt was dagegen!
Sicherlich ist der Zeitpunkt an dem dieser Vorfall öffentlich wird nicht ganz zufällig gewählt. Niemand zweifelt an dem Geschilderten an sich, aber dann hätte man auch 2012 schon davon hören können. Liebe Frau Himmelreich, in Schockstarre verfallen, oder wie? Ich bedaure, dass Ihnen so etwas passiert ist, aber dann müssen Sie als erwachsene und gebildete Frau doch auch im Stande sein in der Situation sofort Konsequenzen zu ziehen und zu sagen: So geht das nicht, da muss ich jetzt was tun.
Wieso hat sie dies nicht getan? Ach ja, weil Sexismus heutzutage in manchen Gesellschaften zum guten Ton zu gehören scheint. Bei dem Satz möchte ich mir selbst eine Gabel ins Auge rammen, weil er mich wütend macht. What the fuck is going on with you, Männer? Könnt ihr nicht einmal die Pimmel drinnen lassen und mit einer Frau zu tun haben ohne dieses „Sie hat was verdammt Kluges gegen meine Argumentation gesagt und könnte somit meine Kompetenz aushebeln. Mist. Erst mal behaupten sie hat ihre Tage und später mit den Jungs beim Bierchen besprechen, dass sie es doch auch eigentlich nur mal wieder so richtig besorgt braucht.“ (Been there, heard that.) Bei solchen Dingen platzt mir der Kragen und ich vergesse die gute Kinderstube. Geht’s denn noch so obenrum im Kopf, ja?
Und was bitte befähigt solche Menschen sich wie der letzte notgeile Urwald-Affe aufzuführen? Achja: In der Masse sind wir stark. Außerdem muss man den anderen Silberrücken im Büro ja auch zeigen, dass man ein ganz ein großer ist. Stimmt, sorry, dass gibt einem natürlich einen Freifahrtschein für sich wie ein Schwein zu benehmen.
Da springe ich mal kurz dazwischen: Nein, gibt es euch nicht. Wenn ihre euer Ego an eure Triebe geknotet habt, dann geht doch bitte zu den Gorillas. Die essen übrigens auch ihre eigene Kacke. Vielleicht ist das ja auch was für euch.
Es darf nicht „zum guten Ton“ gehören, weil es ekelhaft, unangemessen und widerlich ist. Bumms aus. Wenn ich mir vorstelle dass es andersrum wäre, dass der Kollege mit „Süßer“ angesprochen wird und man ihm im vorbeigehen auf den Arsch guckt oder gar klappst, dann höre ich keine Aufschreie. Wieso nicht? Weil Männer entspannter damit umgehen können? Es vielleicht eher als ein Kompliment auffassen? Could be. Könnte aber auch schlichtweg sein, dass die Fallzahl in dieser Konstellation verschwinden gering ist (womit ich nicht mindern möchte, dass sowas vorkommt, und das ebenso widerlich ist, und sich auch Männer daran stören.) Wieso ist das so? Stimmt, weil Frauen in Führungspositionen nach wie vor eher selten sind. Frauen bekleiden auch in 2013 zum Großteil Positionen in denen einen Machtgefälle besteht. (Klassiker: Chef und Vorzimmerdame). Selbst wenn sie den gleichen Beruf ausüben verdienen Frauen im Durchschnitt 21% weniger als der männliche Kollege.( http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frauen-im-chefsessel-verdienen-deutlich-weniger-als-maenner-a-822531.html) Gleicher Job, gleiche Arbeitszeiten. Aber da ist es: das Machtgefälle. Deswegen entsteht auch in der männlichen Wahrnehmung vermutlich ein Abwerten. Macht ausspielen, für viele auch ein Sexualverhalten, setzt sich dann als solches auch durch.
Traurig und für mich nicht nachvollziehbar. Aber, liebe Damen: Wenn euch das nicht passt, dass ein Kollege oder Chef sich wie oben geschrieben äußert oder euch Mäuschen, Hasi oder sonstwie nennt, euch vielleicht manchmal auf den Hintern schaut oder den ein oder anderen dreckigen Witz macht: tut doch bitte auch was. Aktion-Reaktion. Kommt sogar bei der dümmsten Bratbirne an. Macht den Mund sofort auf, gebt sofort Kontra und schreibt nicht erst ein halbes Jahr später klammheimlich einen Artikel im Internet darüber. Ich freue mich über die Debatte. Und ich finde es auch erschreckend wie selbstverständlich Sexismus gegenüber Frauen im Alltag nach wie vor ist. Aber bitte, Ladies: dann haltet euch selbst an eure Gebote. Denn der umgedrehte Spieß heißt auch sich von seiner Doppelmoral zu verabschieden. Männer als „lecker“ zu bezeichnen ist dann nämlich auch ebenso wenig drin, wie mit der weit geöffneten Bluse den Türsteher um Einlass in der Disco zu bebetteln. Merkter selbst, ne?
So wird das nämlich nix mit der Gleichberechtigung.
mehr hinzuzufügen, unbedingt
READ MORE versteckt -...Frauen das lesen sollt. Weil