Geschreibsel. An einander gereihte Gedankenfetzen. Unaufgeräumt, unsortiert, unikat.
Oder sowas.
Catching Elephant is a theme by Andy Taylor
Liebe Leser,
nachdem in diesen Tagen ja kaum ein anderes Thema so viel diskutiert und verwortspielt wird wie die Privatkredits-Affäre des Bundespräsidenten (“Wer mit dem Wulff tanzt”, “Der Wulff im Schafspelz” etc.) kam ich nicht umhin einmal nachzuhorchen, wer denn da so “Buhuuuu” und “Mimimiii” ruft, und vor allen Dingen, wer ganz mucksmäuschenstill ist. Die Gründe dafür könnten bei folgenden Personen in der individuellen Geschichte eigener Verfehlungen liegen:
1991: Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) hatte auf Kosten von Standard Elektrik Lorenz Urlaub in der Ägäis gemacht. Zudem soll er das Firmenflugzeug gestellt bekommen haben. Späth musste daraufhin zurücktreten.
1993: Wirtschaftsminister und Vizekanzler Jürgen Möllemann (FDP) empfahl in der sogenannten “Briefbogen-Affäre” unter dem Briefkopf des Wirtschaftsministeriums deutschen Handelsketten einen Einkaufswagenchip eines Vetters. Folge: Rücktritt.
2002: Cem Özdemir (Die Grünen) stolperte über ein Darlehen des PR-Beraters Moritz Hunzinger. Dazu kam eine Flug-Affäre, in der er dienstlich gesammelte Bonusmeilen privat genutzt hatte. Er legte sein Amt als innenpolitischer Sprecher nieder.
2002: Gregor Gysi (PDS/Die Linke) ist ebenfalls mit einer “Flugmeilen-Affäre” belastet. Gysi hatte Bonus-Meilen, die er sich als Bundestagsabgeordneter erworben hatte, privat genutzt. Er trat von seinem Amt als Berliner Wirtschaftssenator ab.
2004: CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und die “RWE-Gehalts-Affäre”. Zeitweilig bezog er drei Gehälter, unter anderem von RWE, dort soll er auch Strom zum Mitarbeitertarif erhalten haben. Sein Rücktritt war die Folge.
2008: Annette Schavan (CDU) war mit dem Hubschrauber von Stuttgart nach Zürich geflogen. Der Flug kostete die Steuerzahler rund 26.000 Euro. Ein Linienflug hätte knapp 330 Euro gekostet. Im März 2011 flog sie mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Staatskosten von knapp 150.000 Euro zum Papst nach Rom. Erstaunlich: Kein Rücktritt, sondern eher die Kaugummi-Taktik. Worte kauen und wieder kauen, kauen und dann am eigenen Karriere-Stuhl kleben bleiben.
2009: Ulla Schmidt (SPD) wird ihr Dienstwagen gestohlen. Pikant daran: dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Berlin, sondern in Alicante, wo die Ministerin Urlaub macht. Frau Schmidt weigerte sich vehement gegen einen Rücktritt.
2012: Es wird öffentlich dass Bundespräsident Christian Wulff (CDU) sich 500.000 Euro von Frau Edith Geerkens, Frau des Ex-Unternehmers Egon Geerkens als Privatkredigt geliehen hat. Er bekommt besondere Konditionen angeboten. Davon kauft sich die Familie Wulff ein unschönes Backsteinhaus in Hannover. Die Zinsen bezahlt Christian Wulff direkt an Frau Geerkens innerhalb des ersten Jahres zurück. Die Rückzahlungen der Darlehenssumme erfolgen durch die abgeschlossene Anschlussfinanzierung der BW-Bank.
Er hat weder unrechtmäßig seinen Dienstwagen um die halbe Welt geflogen oder seiner Schwippschwägerin an seinen Flugmeilen Teil haben lassen. Noch hat Herr Wulff in seinem Amt als Bundespräsident sich je etwas zu schulden kommen lassen, außer mit peinlichen Autritten und Anrufen dafür zu Sorgen, dass die ganze Sache nun zur “never ending story” wird. Schließlich gilt zu beachten, dass der ganze Vorfall noch zu Ministerzeiten stattfand. Und diese, so zeigt die obige Aufzählung scheint ein Wettsuhlen im Trog der Vetternwirtschaft zu sein.
Interessant also, dass zwar alle eine Meinung zu Wulff haben, aber aufgrund der eigenen Leichen im Keller nur kleine Giftpfeile spucken. Von Frau Nahles abgesehen. Aber die hat eh gerade Milcheinschuss.
Deswegen: ist denn dann auch mal gut, ja? Wäre ja auch schön, wenn der Mann mit dem hässlichen Haus endlich wieder das tun könnte, was er eigentlich tun sollte. Bundespräsident sein. Und sonst nix.
Gruß,
die Mutti
(Quellenverweis: Angaben über die Skandale der Minister aus der Online-Präsenz der http://www.badische-zeitung.de/)