Muttis Kopfkram, halt. |
Geschreibsel. An einander gereihte Gedankenfetzen. Unaufgeräumt, unsortiert, unikat. Oder sowas. |
(Quelle: cafelivroseafins, via wibchen)
Heute ist der 13. Mai 2013.
Vor 9 Jahren um diese Zeit in etwa erlebte ich eine meiner ersten schlimmen Panikattacken. Seither musste ich mein Leben und viele meiner Pläne anhand der Erkrankung ausrichten. In meiner Studienzeit begann ich ein Buch darüber zu schreiben und ließ es schleifen, jedoch nehme ich es mir immer wieder vor, es doch nun endlich wieder voran zu treiben. Sei es drum.
Vor 8 Tagen reiste ich frohen Mutes nach Berlin. Mein erster zusammenhängender Urlaub dieses Jahr. Und diesmal sollte ich nicht krank sein. Es klang alles super. Die knapp 3 Stunden dauernde Hinfahrt bereitete mir zwar im Vorfeld Kopfzerbrechen aber am Tag selbst lief alles reibungslos. Wir hatten eine schöne Ferienwohnung in Kreuzberg. Ich reiste in Berlin viel mit der U- und S-Bahn herum und verschwendete nur manchmal einen Gedanken an die Panik. Das Wetter war sonnig und ich fühlte mich frei und unbeschwert in der fremden Stadt, die so laut und so wuselig sein kann, wie kaum eine andere.
Am Samstag war ich auf den Geburtstag einer guten Freundin eingeladen. Ich freute mich schon sehr darauf, da ich sie nun auch nicht immer sehen kann. Am Vortag erst hatten wir uns zum Frühstück getroffen, hatten gelacht und gewitzelt und den Tag bei einem Stück Kuchen ausklingen lassen. Alles easy.
Dann war Samstag. Ich wachte auf mit einem seltsamen Gefühl. Ich hatte schlecht geschlafen und wirres Zeug geträumt. Zwei Dinge die ich aber öfter tue. Trotzdem breitete sich ein Unwohlsein in mir aus. Eigentlich wollte ich mit dem Herzmann an dem Tag einen Ausflug in Richtung Tempelhofer Flughafen machen, doch alleine der Gedanke daran überhaupt das Haus zu verlassen machte mich nervös.
Wie immer in der Situation scanne ich nach Auslösern. Erst körperlich dann psychisch. Ich fühlte meinen Puls. Er raste bereits wieder. Auch dies ist mir nicht neu, hatte doch mein Kardiologe festgestellt, dass es sich bei mir schlichtweg um einen hohen Puls handelte, mit dem ich leben müsse. Ich merkte wie sich mein Körper zunehmend anspannte, von innen heraus. Als ich mich gerade an den Schreibtisch gesetzt hatte und den Rechner anschalten wollte durchfuhr mich dieses Gefühl vom Brustkorb aus in alle Knochen: Angst. Ein nicht-rationales Gefühl der Angst. Ein Gefühl das einem sagt “Etwas stimmt mit dir gerade ganz und gar nicht”. Mir fiel ein, dass ich mein Medikament an dem Morgen noch nicht genommen hatte und nahm es mit einem Schluck Wasser ein. Doch der Motor hatte schon gestartet. Danach geht es mit den Gedanken los und man steckt mitten drin in der Panik. P. bereitete seinen Ausflug zum Tempelhofer Flughafen vor, sortierte die Kamera, zog die Schuhe an und packte seine Tasche.
Ich hatte mich derweil in eine Decke eingewickelt, sie abgelegt, wieder neu umgelegt, wieder abgelegt und tigerte nun ein wenig aufgekratzt zwischen Wohnzimmer und Bad. Die Übelkeit und der Durchfall setzen ein. Bevor P. ging stimmten wir noch schnell die Planung für den Abend ab: “Wir können uns ja direkt vor Ort treffen, dann brauche ich gar nicht nochmal wieder rein zu ko…” setzte P. an.
Doch ich merkte wie ich aus der Pistole geschossen “Bitte nicht.” antwortete. Ich wusste ich konnte es nicht aushalten bis heute Abend alleine zu sein. Und so stimmte P. zu, bevor wir aufbrachen nochmal in der Wohnung einzukehren und mich abzuholen. Auch wenn es mich nur für eine Millisekunde beruhigte, war ich um diesen kurzen Moment sehr froh. P. nahm seine Tasche und schloss die Tür.
Es wurde still in der Wohnung. Die Panik und ich waren nun allein. Ich merkte wie sie nun langsam in Arme und Beine zog. Meine Gliedmaßen fingen an unkontrolliert leicht zu zucken und ich wusste es würde nun nicht mehr lange dauern, bis ich das Zittern und das Zucken der Arme und Beine nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich versuchte mich dagegen anzubewegen und öffnete die Balkontür. Es war sonnig und leicht warm und ich trat auf den Balkon hinaus und betrachtete den Hinterhof.
Das allerschlimmste was in diesem Moment passieren konnte passierte: Die Angst davor, dass ich gegen meinen Willen vom Balkon springen könnte. Der Gedanke. Er war da. Und er ängstigte mich noch mehr. Also dreht ich mich um und schloss schnurstracks die Balkontür. Ich nahm Decke und Laptop und krümelte mich ins Bett auf der Suche nach Ablenkung.
Wir waren in knapp 4 Stunden zum Essen verabredet. Und in diesem Moment war ich sicher, dass ich diesen Abend in diesem Bett verbringen würde. Ich lenkte mich mit Twitter und Videos ab soweit meine Gedanken das Aufnehmen konnten. Ich versuchte auch ein wenig zu schlafen, doch das schlug fehl. Mein ganzer Körper war von der innersten Faser angespannt. Unterschwellig aber stetig. Als würde man zu Stein werden, ganz langsam.
Dann setze allmählich die Wirkung des Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmers sein. Ich bekam ein bisschen Elan und raffte mich vom Bett in die Dusche, schaltete Musik ein und begann mich doch für das Essen vorzubereiten. P. kehrte auch von seiner Tour zurück und gemeinsam schauten wir die Bilder an, die er mit der Kamera geschossen hatte. Wenig später waren wir auf dem Weg in das Restaurant. Als wir um die Ecke bogen traf mich kurz der Schlag. Das Restaurant hatte außen und innen Gastronomie und beides war extremst voll und unglaublich laut. Wie in einem Ameisenhaufen liefen Gäste und Bedienungen an uns vorbei. Ich war froh, dass wir an einem Tisch saßen der nicht ganz inmitten des wilden Schnatterns war. Ich fühlte mich furchtbar erschöpft und das schien man mir auch anzusehen. In solchen Momenten bin ich wenig begeisterungsfähig und ich hätte der doofen Kellnerin die mir gerade zu verklickern versuchte, dass man in ihrem Laden keine Cola Light ordern konnte, weil der Laden dafür schlichtweg zu scheiße fancy wäre, am liebsten den Kopf abgebissen.
Ich hatte mich schon im Vorfeld auf das Essen gefreut, denn ich esse sehr gerne große fettige Burger, für die man sich quasi den Kiefer ausrenken muss um ordentlich abzubeißen. An diesem Abend jedoch beschloss ich, das am wenigsten “gefährliche” Gericht zu ordern, da mein Magen und mein Darm immer noch auf Kriegsfuß mit mir waren, wie immer nach einer Panikattacke. So bestellte ich ein Club-Sandwich und hoffte mein Körper würde mich nun nicht im Stich lassen.
Im Anschluss sollten wir uns in einer Kneipe treffen. Ich wollte noch schnell Geld holen und da wir ziemlich vollgefressen waren tat ein kleiner Spaziergang zum Geldautomaten ganz gut. Dieser lag genau an der S-Bahn Station mit der wir Abends nach Hause wollten und ein Teil von mir wollte jetzt bereits einsteigen und wieder in das sichere Bett zurück, das nicht mal mein eigenes war. Wir kamen in der Kneipe an wie rasch auch die anderen Gäste und je mehr sich der Laden füllte umso mehr Menschen kamen dazu die ich entweder schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte oder bereits von Twitter oder aus Erzählungen kannte und an diesem Abend zum ersten Mal traf.
Ich fühlte mich sehr müde und so sah ich auch aus. Die sonst so laute und fröhliche Person, stand still und nickend bei den anderen und lauschte den Gesprächen. An Alkohol trinken war gar nicht zu denken - die Denke eines Panikers: versuche nur möglichst das zu dir zu nehmen, von dem du weißt, dass du es unter Kontrolle hast: Essen (nur wenig fettiges, nichts was wieder zu Durchfall oder Übelkeit führt), Getränke (keinen Alkohol oder Kaffee, nichts worauf der Körper ‘reagieren kann’), Zigaretten (eigentlich no way, aber ich ließ mich doch dazu hinreißen, nachdem ich merkte dass es anscheinend keinen sofortigen Auswirkungen hatte).
Eine Panikattacke macht mit dem Körper das, wie ein Tag arbeit auf einer Baustelle. Du bist schlichtweg komplett im Eimer. Doch wir wollten reinfeiern und ich wollte nicht eher gehen, bis ich der Freundin - in deren Geburtstag wir reinfeierten nicht ein Ständchen und einen dicken Kuss auf die Wange gedrückt hatte, obwohl sie mich schon ob meines Zustandes vorher nach Hause schicken wollte.
Kurz nach halb eins machten wir uns auf den Heimweg. In der Bahn saßen uns 2 Jungs gegenüber deren Lebensinhalt an dem Abend aus “Weiber klarmachen” und den beiden Pullen Wodka und Fanta bestand die sie dabei hatten. Da mich die Jungs mit ihrem lauten Geplapper irgendwie erneut nervös machten, versuchte ich mich mit einem Spiel auf meinem Iphone bei Laune zu halten. Zu Hause angekommen fiel ich todmüde ins Bett und merkte erst dört wie sich die Anspannung aus meinem Körper löste.
Der nächste Morgen. Abreisetag.
Augen auf. Wachwerden. Kram zusammenpacken, und dann los zum Zug. ZUM ZUG? Zack, das Gefühl vom Vortrag hatte sich eine zweite Runde gegönnt und so tanzte die Panik mit mir einen flotten Tango übers Parkett. Ich versuchte mich schnell mit Spülen und anderen Dingen zu beschäftigen. Es half nichts. Meine Knochen wurden erst zu Pudding und dann zu Stein. P. hatte die Idee uns mit einem Car-to-go Auto zum Bhf zu fahren und als er die Tür hinter sich schloss, verbrachte ich die nächsten 15 Minuten im Bad. Durchfall, Übelkeit.. und täglich grüßt das Paniktier. Die alte Routine. In meinem Kopf war die Zugfahrt so weit weg wie Panama. Unmöglich zu erreichen und nicht in meiner Realität. Doch ich musste. Ich MUSSTE diesen Zug nehmen. Es gab keine Alternative nach Hause zu kommen. Kurz hatte ich den Wunsch, man würde mich in Narkose legen und dann in die Heimat befördern, aber das war alles andere als realistisch.
Als P. das Auto organisiert hatte berichtete ich von meinem Zustand und er tat alles um mir beizustehen, auch wenn er wusste dass er mir nicht helfen kann, weil mir in solchen Situationen niemand helfen kann, ich selbst als aller letztes.
Am Bahnhof war die Angst erstaunlicherweise weniger stark als vermutet. Also war es nur die alltbekannte “Angst vor der Angst” also die Angst, DASS etwas passieren könnte (was auch immer das ist, ist völlig irrational und gar nicht zu benennen). Es ist einfach das Gefühl.
Heute morgen hatte ich dann einen Termin beim Neurologen auf den ich satte 3 Monate gewartet hatte. Ich beschrieb meine Situation und der Arzt, der mich heute zum ersten mal sah sagte etwas sehr cooles.
“Wenn die Panik erhöht, dann gehen wir mit.”
“Wie beim Poker?” fragte ich.
“Genau. Wenn ihre Panik anscheinend dynamisch mal mehr mal weniger auftritt, dann nehmen sie nun ihr Medikament in in einer Dosis, die die Dynamik etwas raus nimmt. Sie nehmen ja recht wenig. Wir verdoppeln die Dosis und sie beobachten wir gut sie sich damit fühlen.”
Die Dosis verdoppeln. In meinem Ohren klang dies zunächst so als hätte die Panik gewonnen. Ich muss also doppelt so viel nehmen, damit meine Normalität normal bleibt? Ich wollte es doch immer selbst im Griff haben. Aber dann wurde mir klar, dass es wirklich wie beim Poker ist. Mal musst du mitgehen, mal musst du erhöhen und vielleicht musst du bluffen. Aber nur wenn du dich traust, kannst du am Ende auch den Pott gewinnen.
Na dann, Leben, gib mal die nächsten Karten aus. Let’s get it on.
Friendship <3
(Quelle: villadelrose, via wibchen)
Lache stundenlang darüber :D
(via wibchen)
URLAUB! AAAHhhhhhhh
(via wibchen)
(Quelle: shellytothebelly, via wibchen)
Love. Lovelove. And Love!
(Quelle: godbless-st-cyr, via wibchen)
Zufrieden-Katz <3
(Quelle: bobbydoherty, via wibchen)
Hopplahopp, schon wieder ist ein Monat rum. Nun hier einige der von mir besternten Tweets. Sehr schöne Sahnestücke wieder dabei. Danke euch!






























































